Tag der Wohnungslosen

Was kann ich tun?

Viele Menschen sind verunsichert, wenn sie wohnungslose Menschen sehen: Soll ich jemanden ansprechen, der draußen schläft? Und wo kann ich mich für wohnungslose Menschen engagieren? Markus Blaszczyk vom Evangelischen Hilfswerk gibt Antworten.

Viele Menschen sind verunsichert, wenn sie eine Person sehen, die auf der Straße, im Hauseingang, im Park schläft. Sollte ich die Person ansprechen, ob sie Hilfe benötigt. Gerade im Winter, bei Minustemperaturen?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten und hängt von der Situation ab: Tendenziell sind akut obdachlose Menschen gefährdeter, wenn sie an abgelegenen, nicht öffentlich einsehbaren Plätzen schlafen. Aber das heißt nicht, dass ich die Person deswegen immer ansprechen sollte. Generell lohnt es sich zu versuchen, die Lage einzuschätzen: Wie ist das Wetter gerade und in naher Zukunft? Ist der Aufenthalts- bzw. Schlafplatz vor der Witterung geschützt? Und vor allem: Wie ist die Person ausgerüstet? Eine dünne Decke im Winter bei Minusgraden reicht ja nicht aus, da würde ich aktiv werden. So eine offensichtliche Gefährdung wäre für mich übrigens auch der einzige Grund, eine schlafende Person zu wecken. Es soll sich aber auch niemand gezwungen fühlen, die Person selbst anzusprechen. In einer vermuteten Notlage Hilfe holen, ist auch völlig ausreichend.

An wen kann ich mich denn wenden, wenn ich eine obdachlose Person sehe, der es offensichtlich nicht gut geht?

Unsere Streetworker*innen sind zwar regelmäßig auf der Straße unterwegs, können aber natürlich nicht überall sein und jede Person kennen. Wenn sich ein obdachloser Mensch sichtlich in einer gesundheitlichen Notlage befindet, dann bitte auf jeden Fall die 112 für den Rettungsdienst wählen und die Lage schildern – so wie ich es ja für alle Menschen tun würde, die in Not sind und schnelle medizinische Hilfe brauchen.

Ich möchte einem obdachlosen Menschen etwas spenden? Ist ok, einfach Geld zu geben oder einen Kaffee zu kaufen?

Wenn ich jemandem kein Geld, sondern lieber Lebensmittel geben möchte, dann würde ich die Person ansprechen und fragen, ob und was sie haben möchte. Ich finde es schwierig, da eine generelle Empfehlung zu geben. Das muss jede*r für sich selbst entscheiden.

Manche Menschen fühlen sich unwohl, wenn sie jemand auf der Straße um Geld bittet. Was kann man in so einer Situation tun?

Auch wenn so eine Situation unangenehm sein kann, ist das ja immer noch ein Mensch, der einem gegenübersteht. Es ist völlig in Ordnung, der Bitte nach Geld nicht nachzukommen und freundlich nein zu sagen. Und wenn man die Person häufiger an einem bestimmten Ort trifft, besteht auch immer die Möglichkeit sich an unsere Streeetworker*innen zu wenden, welche die Person zeitnah aufsuchen und Unterstützung anbieten.

Was benötigen obdachlose Menschen besonders dringend? Wo kann ich Spenden abgeben?

Ich würde sagen, dass die allermeisten obdachlosen Menschen am dringendsten ein Dach über dem Kopf brauchen. Hier leisten wir als Evangelisches Hilfswerk mit unseren Angeboten zumindest einen kleinen Beitrag. Bei der dauerhaft angespannten Lage des Wohnungsmarktes in München freuen wir uns über alle Vemieter*innen, die für unsere Klient*innen Wohnungen bereitstellen. Wenn jemand Dinge des täglichen Bedarfs spenden möchte, sollten Sie unsere Einrichtungen vorher direkt anfragen. Denn je nach Jahreszeit ist es zum Teil sehr unterschiedlich, was die Menschen benötigen. Ansonsten haben wir bei diakonia eine zentrale Abgabestelle für Sachspenden. Von Geldspenden, die unseren Klient*innen zugutekommen, können unsere Einrichtungen das einkaufen, was gerade gebraucht wird und damit eine unkomplizierte Soforthilfe leisten. Das erleichtert uns die Arbeit vor Ort immer sehr.

Wie kann ich mich langfristig für obdachlose Menschen engagieren?

In vielen unserer Einrichtungen engagieren sich Menschen ehrenamtlich, für Verstärkung sind wir immer dankbar! Interessierte können sich gerne direkt an die jeweilige Einrichtung wenden oder sich bei z'am, dem Zentrum für freiwilliges Engagement der Diakonie München und Oberbayern, melden.

► Kontakt zu den Beratungsstellen des Evangelischen Hilfswerks:

Wenn es sich nicht um einen Notfall handelt, können Bürgerinnen und Bürger auch telefonisch auf hilfebedürftige Obdachlose hinweisen bei:

Schiller 25: (089) 36 00 62 60 (Montag bis Freitag 9 bis 12 Uhr, Montag, Dienstag, Donnerstag 13 bis 17 Uhr);

Teestube „komm“: (089) 77 10 84 (wochentags 9 bis 12 Uhr und 14 bis 20 Uhr; Wochenende und Feiertage 14 bis 20 Uhr).

In den Wintermonaten ist zudem der Wärmebus des Evangelischen Hilfswerks unterwegs. Das Team ist erreichbar unter der E-Mail-Adresse .

Wichtig: Der Wärmebus ist keine Akuthilfe!

Bei lebensbedrohlichen Situationen oder, wenn schwer kranke obdachlose Menschen angetroffen werden, bitte immer den Notruf (112) und/ oder die Polizei (110) verständigen!

 


Zur Person

Markus Blaszczyk leitet die Bereiche Beherbergungsbetriebe sowie Schutz und Beratung für Menschen in besonderen Notlagen beim Evangelischen Hilfswerk. Von 2008 bis 2016 arbeitete der Sozialpädagoge in der Teestube "komm", deren Team wohnungslose Menschen berät und unterstützt. Er war dort in der Streetwork, im Tagesaufenthalt, Unterstützten Wohnen und Case Management tätig. 2014 übernahm er die stellvertretende Leitung. Anschließend war er von 2016 bis 2021 Einrichtungsleiter im Bereich Beherbergungsbetriebe und für das Sozial Betreute Wohnhaus. Berufsbegleitend absolvierte er zudem ein Master-Studium Sozialmanagement.

 

 


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