Niemand darf in München auf der Straße erfrieren

Zum fünften Mal öffnet am 1. November das Kälteschutzprogramm der Landeshauptstadt München seine Pforten; vier Mal hat das Evangelische Hilfswerk im Auftrag der Stadt die Betreuung der Armutsmigranten aus dem ost- und südosteuropäischen Raum übernommen, an die sich das Programm wendet. Das Ziel ist allen Beteiligten klar: „Niemand darf in München auf der Straße erfrieren.“
 
In wenigen Tagen startet das Hilfeprogramm mit einer Struktur, die vor vier Jahren so nicht vorstellbar gewesen wäre. In den ersten beiden Kälteschutzjahren war die Frage nach einem Schlafplatz für die Nacht von der aktuellen Wetterlage abhängig: Erst bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt öffneten die Schlafplätze. Diese Null-Grad-Regelung wurde im Winter 2014/15 aufgehoben, so dass der Kälteschutz unabhängig von Plus- oder Minustemperaturen von November bis Ende März jeden Abend geöffnet hatte. Ende November entscheidet der Stadtrat, ob die Öffnungszeit künftig sogar bis Ende April ausgeweitet wird, da es in diesem Monat nachts häufig auch noch sehr kalt ist.
 
Während in den ersten beiden Jahren die Zahl der Personen, die im Kälteschutz insgesamt übernachteten, jeweils um circa 33 Prozent anstieg; blieb sie im vergangenen Jahr konstant. Im vorigen Winter waren das rund 3.000 Personen. Aus diesem Grund ist aktuell die Anzahl der zur Verfügung stehenden Betten auch konstant geblieben: Ähnlich wie im Vorjahr stehen im Haus 12 der Bayernkaserne knapp 850 Betten zur Verfügung. Im Ostflügel werden Alleinstehende und Paare ohne Kinder untergebracht, im Westflügel Familien mit Kindern.
 
Parallel zu den Übernachtungsplätzen gibt es mit dem Beratungszentrum Schiller 25 eine Einrichtung, die die Einweisungen zu den Schlafplätzen vornimmt. Auch außerhalb der Kälteschutzperiode wendet sie sich an obdachlose Neuzuwanderer aus der EU. Bei den Beratungen geht es hauptsächlich darum, welche Perspektiven es in München gibt bzw. nicht gibt in Bezug auf Wohnung, Arbeitsmarkt und Sozialleistungen.
 
Trotz Kälteschutz bleiben immer wieder auch einige, sehr wenige Personen auf der Straße, wie Anton Auer, der für das Projekt zuständige Bereichsleiter beim Evangelischen Hilfswerk, weiß. Die Gründe dafür sind verschieden: die Distanz zur Bayernkaserne, fehlende Fahrkarten in den Kälteschutz, die Anzahl der Betten pro Zimmer (im Durchschnitt ca. 12 Betten). Das sei für den einen oder anderen Obdachlosen „unerträglich“. Doch auch diese Personen werden nach Möglichkeit betreut: „Unsere Streetworker versuchen, sie durch aufsuchende Sozialarbeit an ihren Schlafplätzen zu erreichen und zu überzeugen, dass sie bei großer Kälte in eine Unterkunft gehen, da das Risiko einer Selbstgefährdung sehr hoch ist.“
 
Klaus Honigschnabel


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