Evangelisches Hilfswerk - Ein Seismograf im sozialen Gefüge

Ein Seismograf im sozialen Gefüge

Viele Gründe zum Feiern gibt es in diesem Jahr für die Münchner Bahnhofsmission: Im Sommer stand das 120-jährige Jubiläum an, im Oktober gab es noch einen weiteren Grund: Der Katholikenrat der Region München zeichnete die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer der Einrichtung mit der Pater-Rupert-Mayer-Medaille aus. Ihr „beispielgebender Einsatz rund um die Uhr“ gelte jedem Hilfesuchen- den, „egal mit welchem Anliegen, egal welcher Herkunft, Nationalität oder Konfession“, sagte die Vorsitzende des Katholikenrats, Johanna Rumschöttel. Im Jahr des Reformationsgedenkens sei es dem Katholikenrat zudem ein Anliegen gewesen, ein ökumenisches Projekt auszuzeichnen.

Bei einem Empfang im Alten Rathaussaal nahmen die Leiterinnen Barbara Thoma und Bettina Spahn die Medaille stellvertretend für alle 190 haupt- und vor allem ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Bahnhofsmission entgegen; bei der Feier waren rund 50 von ihnen dabei. „Die Bahnhofsmission ist ein Ort, an dem der Satz des Grundgesetzes ‚Die Würde des Menschen ist unantastbar‘ Realität wird“, sagte der bischöfliche Regionalreferent Roland Gruber in seiner Laudatio bei der Übergabe der Medaille. Die Bahnhofsmission sei ein „Seismograf, der mit ganz feiner Nadel die Veränderungen im sozialen Gefüge der Stadt feststellt.“

„Wir schauen nicht weg, wir schauen hin, wir übernehmen Verantwortung und wir stellen uns einer politischen, gesellschaftlichen und sozialen Aufgabe“, sagte Barbara Thoma, Leiterin der Evangelischen Bahnhofsmission. Viele Menschen könnten durch die Unterstützung der Bahnhofsmission ihre prekäre Lebenssituation besser aushalten oder schafften es sogar, durch das vielfältige Angebot einen Schritt zu einer Stabilisierung oder Verbesserung ihrer Lebenssituation zu machen.

Allein im vergangenen Jahr kümmerten sich die Mitarbeitenden um rund 100.000 Menschen, versorgten diese unter anderem mit Tee, Broten oder Beratungsgesprächen. Der Aufenthaltsraum der Bahnhofsmission steht tagsüber allen Menschen offen, nachts wird er zum Schutzraum für Frauen und manchmal auch für Kinder.

Isabel Hartmann


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