Evangelisches Hilfswerk - Bedford-Strohm: Wohnungsnot ist zentrale soziale Frage

Bedford-Strohm: Wohnungsnot ist zentrale soziale Frage

Seinen Weihnachtsgottesdienst hat Heinrich Bedford-Strohm, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, mit obdachlosen Menschen im Kälteschutz in München gefeiert.
 
Weihnachten sei genau der richtige Zeitpunkt, Menschen zu begegnen, die wie die Heilige Familie keine Herberge haben, sagte der Bischof, der sich bei einem gemeinsamen Frühstück in der Münchner Bayernkaserne von Obdachlosen über ihre Situation informierte. Der anschließende Gottesdienst wurde auch auf rumänisch und bulgarisch gehalten, weil viele Obdachlose aus diesen Ländern stammen.
 
In der Kälteschutz-Einrichtung in der ehemaligen Münchner Bayernkaserne können 850 Menschen eine Schlafstätte finden. Dadurch hätten obdachlose Menschen während der kalten Jahreszeit wenigstens einen sicheren und warmen Ort, sagte der Bischof.
 
Wie Bedford-Strohm bei den Begegnungen sagte, sei die Überwindung der Wohnungsnot in den Städten die zentrale Frage der Zukunft. Denn selbst die Mittelschicht könne die hohen Mieten kaum mehr aufbringen. Außerdem könne die Wohnungsnot zu gravierenden Spannungen zwischen einzelnen Gruppen führen, wie etwa Flüchtlingen und sozial schwacher einheimischer Bevölkerung. Deshalb müsse die Politik ein Programm für erschwingliche Sozialwohnungen auf den Weg bringen, forderte der Bischof.
 
Wie Anton Auer, Leiter der Sozialeinrichtung, die von der Landeshauptstadt finanziert und vom Evangelischen Hilfswerk München betrieben wird, erläuterte, können in den Räumlichkeiten bis zu 850 Menschen für jeweils eine Nacht aufgenommen werden. Wegen der relativ milden Witterung nehmen Auer zufolge derzeit rund 250 Menschen die Schlafmöglichkeit in Anspruch. An kalten Nächten würden jedoch alle Plätze benötigt.
 
Im vergangenen Jahr haben 3.111 obdachlose Menschen rund 60.000 Nächte im Haus 12 auf dem Gelände der ehemaligen Bayernkaserne verbracht. Rund die Hälfte von ihnen sei aus Rumänien und Bulgarien gekommen, 11 Prozent waren deutsche Staatsbürger. Der Münchner Kälteschutz ist vom 1. November bis 31. April geöffnet.


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