28.09.2014 - Gezielte Hilfe für obdachlose Familien

Sie leben am Rande der Gesellschaft und bekommen nun einen Platz ganz in ihrer Mitte: In der Thalkirchner Straße 9 entsteht ein Haus für wohnungslose Familien. In seiner Sitzung Anfang September hat der Münchner Stadtrat für das Vorhaben des Sozialreferats einstimmig grünes Licht gegeben. 

 
In 95 Apartments finden Eltern mit Kindern ein neues Zuhause auf Zeit. Für das Projekt hat sich die Stadt einen erfahrenen Partner geholt: das Evangelische Hilfswerk, ein Tochterunternehmen der Inneren Mission München, mit dem sie bereits unter anderem bei der Betreuung von Obdachlosen und Armutszuwanderern aus Osteuropa zusammenarbeitet. Es wird sowohl Mieter und Betreiber des Hauses sein und sich um die Betreuung der Familien kümmern. 
 
Einziehen sollen Menschen, die wegen, Arbeitslosigkeit, Krankheit oder sonstigen Handicaps keine Chance auf dem Münchner Wohnungsmarkt haben – ein Großteil von ihnen sind Kinder. Bisher wohnen sie in anderen Notunterkünften, vor allem in Pensionen, in denen die Stadt Zimmer anmietet. Weil das auf Dauer teuer ist, sucht die Stadt ständig nach neuen Objekten. Doch die sind rar. 
 
Ende Juli lebten 3.435 Menschen, die das Münchner Wohnungsamt unterbringen muss, in Notunterkünften, darunter 1.045 Kinder. Das Haus in der Thalkirchner Straße 9 ist insofern ein Glücksfall. Der Vermieter, eine Eigentümergemeinschaft, freut sich, dass die Stadt ihr Haus für einen guten Zweck nutzen möchte.
 
95 möblierte Apartments gibt es in dem Gebäude unweit des Sendlinger Tors, sie sind zwischen 20 und 28 Quadratmeter groß. In jedem Apartment gibt es eine eigene kleine Küche und ein eigenes Bad. Bisher beherbergte das Gebäude das „Haus Sendlinger Tor“, in dem ein privates Unternehmen ab 420 Euro pro Monat bislang möblierte Apartments vermietete. Zuvor war das Haus zeitweise schon einmal von der Stadt genutzt worden, um dort Flüchtlinge unterzubringen. Mangels Nachfrage hatte die Stadt es jedoch 2006 wieder aufgegeben.
 
Obwohl jetzt Flüchtlingsunterkünfte dringender denn je gesucht werden, sollen in der Thalkirchner Straße wohnungslose Familien zum Zug kommen. Dabei geht es nicht nur darum, die Familien günstiger als bisher unterzubringen. Sie sollen betreut werden und so möglichst innerhalb kurzer Zeit eine eigene Wohnung finden. Dafür sollen die Mitarbeitenden des Evangelischen Hilfswerks sorgen. Vergeben wird die Plätze im Haus die zentrale Wohnungslosenhilfe im städtischen Wohnungsamt und außerhalb dessen Öffnungszeiten die Bahnhofsmission.
 
„Wir freuen uns, dass eine solche Einrichtung einmal im Herzen der Stadt entsteht“, sagt Andrea Betz, Bereichsleiterin beim Evangelischen Hilfswerk. Neben Hausleitung und Verwaltung wird es acht Vollzeitstellen für die Betreuung der Menschen geben. 4,75 Stellen für Sozialpädagogen, 3,5 für Erzieher. „Die Kinder liegen uns besonders am Herzen“, sagt Betz. „Sie sollen nicht die Obdachlosen von morgen werden.“ Für sie wird es je nach Alter verschiedene Gruppenangebote geben, vom Ausflug zum nahe gelegenen Spielplatz bis zur Hausaufgabenbetreuung.
 
Derweil sollen die Sozialarbeiter mit den Müttern und Vätern erörtern, wie es weitergeht. „Wir wollen ihre Situation klären, welche Hilfen sie brauchen, welche Anträge gestellt werden müssen.“ Das Haus soll für die Familien Zwischen- und nicht Endstation sein – auch wenn es angesichts der angespannten Situation auf dem Wohnungsmarkt für viele wohl eine längere Zwischenstation werden wird. Andrea Betz rechnet mit vielen Alleinerziehenden, aber auch mit Großfamilien mit mehreren Kindern. „Auf jeder Etage des Hauses wird es einen Sozialarbeiter als Ansprechpartner geben“, so Betz. Zudem werde die Pforte rund um die Uhr besetzt sein.
 
Der Mietvertrag zwischen Hilfswerk und Eigentümern läuft zunächst über zehn Jahre – mit Option auf eine Verlängerung. Nachdem der Stadtrat dem Projekt zugestimmt hat, beginnen nun im Haus die Umbauarbeiten. Unter anderem sollen zwei Gruppenräume für die Kinder entstehen. Eröffnet wird das Haus voraussichtlich Mitte Oktober.
 
Doris Richter
Foto: Florian Peljak

Evangelisches Hilfswerk eröffnet Einrichtung im Herzen von München


zurück