26.09.2014 - Wir kommen zunehmend an unsere personellen und räumlichen Grenzen

„Täglich Brot, Frieden, Arbeit, Freundschaft“, „Gesundheit und ein schmerzfreies Leben“, „Zufriedenheit und Sonne im Herzen“ und „ein Eigenheim in München“ – diese Wünsche hängen an dem Wunschbaum im Foyer der Bahnhofsmission. Die Wunschzettel haben Besucher beim Tag der Bahnhofsmission im April hier aufgehängt. Das Motto der Veranstaltung: „Armutszeugnisse: Es gibt keine Armut in Deutschland? Wir tun trotzdem was dagegen“.

 
Denn die Mitarbeitenden der ökumenischen Einrichtung sind oft die ersten Ansprechpartner für Menschen in Not: Immer mehr von ihnen suchen Hilfe bei der Bahnhofsmission – das zeigen auch die Zahlen aus dem vergangenen Jahr: 2013 hatten die 150 haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden der Bahnhofsmission München über 100.000 Kontakte zu Gästen bei der Tee- und Brotausgabe. Pro Tag führten sie mehr als 60 Beratungsgespräche. Insgesamt waren es 24.292 Beratungen – rund ein Drittel mehr als im Jahr 2012. 
 
Auch der nächtliche Schutzraum der Bahnhofsmission München wurde häufiger genutzt als im Vorjahr: Jede Nacht fanden dort im Durchschnitt fünf bis sechs Frauen Unterschlupf – insgesamt waren es 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Darunter sind unter anderem obdachlose und psychisch kranke Frauen, Frauen aus anderen deutschen Städten auf der Durchreise oder ohne festen Wohnsitz. Dazu kommen Migrantinnen ohne Anspruch auf Sozialleistungen, Frauen, die – oft mit ihren Kindern – vor einem gewalttätigen Partner fliehen, sowie Reisende, die ihren Anschlusszug verpasst haben. 
 
Sebastian Stockmeier, Leiter der Evangelischen Bahnhofsmission, sieht die Entwicklung als besorgniserregend: „Wir kommen zunehmend an unsere personellen und räumlichen Grenzen. Und wir stellen uns die Frage, welche nachhaltigen Maßnahmen gegen die steigende Armut und die Situation auf dem Münchener Wohnungsmarkt getroffen werden könnten." 
 
Isabel Hartmann
Foto: Erol Gurian

Zahl der Hilfesuchenden in der Münchner Bahnhofsmission nimmt zu.


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