24.10.2013 - Täter dürfen keine Täter bleiben

In der bayerischen Landeshauptstadt hat Mitte Juli die erste Psychotherapeutische Fachambulanz für Gewaltstraftäter eröffnet. Das neue Angebot wird zu hundert Prozent aus Mitteln des Justizministeriums finanziert; als Träger für das vorerst auf drei Jahre angelegte Projekt fungiert das Evangelische Hilfswerk München.

Ziel der Fachambulanz ist es, „eine sehr engmaschige Zusammenarbeit von Gericht, Bewährungshilfe und Fachambulanz“ zu etablieren, so das Konzept. Dies sei ein „zentraler Beitrag zur Sicherheit der Allgemeinheit sowie präventiver Opferschutz“. Pro Jahr können hier etwa 50 besonders gefährliche Straftäter psychotherapeutisch und sozialpädagogisch unterstützt werden.

Nach den Plänen des Ministeriums soll bereits im kommenden Jahr eine weitere Einrichtung dieser Art in Nürnberg entstehen; zudem will Justizministerin Beate Merk (CSU) baldmöglichst auch die haushaltstechnischen Voraussetzungen für eine dritte Ambulanz in Würzburg schaffen.

Organisatorisch werden die Einrichtungen an die bereits bestehenden Fachambulanzen für Sexualstraftäter angegliedert; zum Team gehören neben einer Verwaltungskraft jeweils eine Psychotherapeutin und ein Sozialpädagoge. Der Freistaat übernimmt die jährlichen Förderkosten für eine Ambulanz in Höhe von rund 250.000 Euro.

Bei der feierlichen Eröffnung der Fachambulanz wies die Ministerin auf die Fälle von Dominik Brunner und Johnny K. hin, die beide „mit einem unvorstellbaren Ausmaß an Gewalt geschlagen und zu Tode getreten wurden“. Die Statistik zeige, dass besonders die Fälle brutalster Gewaltverbrechen zunähmen; viele Täter seien Wiederholungstäter.

Neben die in Bayern seit anderthalb Jahren angewandte elektronische Aufenthaltsüberwachung soll nun die therapeutische Versorgung gefährlicher Probanden treten, „damit die Täter keine Täter bleiben“. Merk wörtlich: „Der zuverlässigste Opferschutz ist immer noch eine erfolgreiche Resozialisierung des Täters.“ Gleichzeitig gestand die Ministerin zu, dass sich trotz aller Therapie „Rückfälle nicht völlig ausschließen lassen“.

Behandelt werden sollen nun in erster Linie Personen, die aus der Sicherungsverwahrung oder aus der Unterbringung nach dem Therapieunterbringungsgesetz entlassen wurden. Zu den künftigen Klienten zählen ebenso Entlassene aus dem Justizvollzug, bei denen die Sicherungsverwahrung angeordnet oder vorbehalten war, sowie Straftäter, bei denen diese nachträglich aus rechtlichen Gründen nicht mehr angeordnet werden konnte.

Priorität haben zudem Probanden aus den sozialtherapeutischen Abteilungen der Justizvollzugsanstalten und andere besonders gefährliche Bewährungs- oder Führungsaufsichtsprobanden. Markus Feil, Leiter der Münchner Fachambulanz, sagte, die politischen und finanziellen Investitionen würden sich „in den verschiedensten Bereichen unserer Gesellschaft auszahlen“: „Der Betrieb solcher Ambulanzen lohnt sich und ist wirksam; sie mindern die Gefahr erneuter schwerer Straftaten zum Teil erheblich.“

Trotz größter Mühe und Fachlichkeit könne man Fehlschläge jedoch nicht verhindern: „Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht.“ Eine sorgfältige Diagnostik und Behandlung erfordere viel Zeit, in der „einiges Unvorhersehbares und manchmal auch Unbeherrschbares“ eintreten könne. Feil wörtlich: „Wir geben 100 Prozent, aber wir werden nicht hundertprozentige Sicherheit und Risikofreiheit schaffen können.“

Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission und Mit-Geschäftsführer des Evangelischen Hilfswerks, mahnte einen vernünftigen Umgang mit Opfern und Tätern an. Aus christlicher Sicht dürfe man auch einen Straftäter „nicht einfach als Unmenschen behandeln“. Die Gesellschaft müsse vielmehr lernen, mit Gewalt und Gewalttätern umzugehen.

Klaus Honigschnabel

Evangelisches Hilfswerk München: Erste Psychotherapeutische Fachambulanz für Gewaltstraftäter im Freistaat eröffnet.


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