20.08.2012 - Wir können in der Not kaum helfen

In den Bahnhofsmissionen in Bayern suchen immer mehr mittellose Osteuropäer Hilfe. Wie die Arbeitsgemeinschaft der kirchlichen Bahnhofsmissionen in Bayern mitteilte, stellt die verstärkte Zuwanderung von Menschen und Familien aus Osteuropa die Einrichtungen vor Herausforderungen, die sie an die Grenzen ihrer Möglichkeiten bringen.

Gerade Menschen aus Rumänien, Bulgarien, aber auch aus Polen, Tschechien und der Slowakei fragten nach Essen, Kleidung, Fahrkarten und Geld. Unter ihnen seien viele Männer, die ohne Arbeitsvertrag als Tagelöhner, Saisonarbeiter oder Scheinselbstständige gearbeitet hätten, sagte die Leiterin der Evangelischen Bahnhofsmission in München, Gabriele Ochse. „Sie kommen dann zu uns, wenn es mit der Arbeit nicht mehr klappt – ohne Geld und ohne Dach über dem Kopf.“

Dreiviertel aller Hilfesuchenden am Gleis 11 hätten mittlerweile einen Migrationshintergrund. Dabei sei die Rückkehr ins Heimatland aus sozialen und finanziellen Gründen oft sehr schwierig. Beispielsweise würden Roma und andere ethnische Minderheiten in ihren Heimatländern häufig diskriminiert und verfolgt, sagte Ochse.

Zudem sei die Betreuung mittelloser Osteuropäer extrem aufwändig. Denn angesichts der komplizierten deutschen und europäischen Rechtslage seien sozialrechtliche Ansprüche nur schwer durchzusetzen. Da es für die Betroffenen kaum Hilfeangebote gebe, gestalte sich eine Weitervermittlung an Fachstellen extrem schwierig. „Manchmal ist es uns unmöglich zu helfen“, so Ochse. Es fehlten vor allem medizinische Hilfe und Unterkunftsmöglichkeiten.

Für die Mitarbeitenden ist die derzeitige Situation mitunter sehr belastend. „An manchen Tagen platzt unser Aufenthaltsraum aus allen Nähten. Wir sehen die Not, können aber kaum helfen“, sagte Monika Voit, langjährige ehrenamtliche Mitarbeiterin der katholischen Bahnhofsmission.

Nach Absprache mit der Kommune gewährt die Münchner Bahnhofsmission seit Mitte Mai Rückkehrhilfe ausschließlich bei sozialen Härtefällen, beispielsweise Minderjährigen, Menschen, die psychisch oder körperlich schwer erkrankt sind oder Schwangeren. Gabriele Ochse: „Wir können jetzt zumindest für diesen Personenkreis gezielt etwas tun.“

Immer mehr Osteuropäer suchen Hilfe in den bayerischen Bahnhofsmissionen.


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