20.03.2013 - Zielgenaue Hilfe - nicht nur für schwere Jungs und leichte Mädchen

Wohnungslose oder hoch verschuldete Menschen, Prostituierte, Straffällige – sie alle stehen im Fokus der Arbeit des Evangelischen Hilfswerks München (EHW). 2003 wurde die Abteilung Gefährdetenhilfe in eine eigene Rechtsperson umgewandelt. 

„Eine Heimat für die Menschen mit Ecken und Kanten, die aus verschiedenen Gründen von ihrem geraden Lebensweg abgekommen sind“ sei das EHW, lobte denn auch Münchens Zweite Bürgermeisterin Christine Strobl bei der Feier zum zehnjährigen Bestehen des diakonischen Unternehmens. Diese Menschen seien oft nicht so einfach als Kunden zu haben, „aber auch sie brauchen in München eine Heimat und das Evangelische Hilfswerk gibt sie ihnen“, sagte Strobl.
Einen besonderen Dank richtete die Bürgermeisterin an die 210 hauptamtlichen und rund 300 ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Mit der Milliarde Euro, die die Stadt in den Sozialbereich investiert, könne man zwar gute Rahmenbedingungen schaffen, „aber die müssen dann mit Leben gefüllt werden.“ Die Arbeit der Ehrenamtlichen könnte sich die Stadt in Euro umgerechnet gar nicht leisten. 
Die „breite Palette von Hilfeangeboten, die ineinander greifen“, lobte die Stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Ursula Bittner. Aktuell fördere der Bezirk Oberbayern das EHW im Rahmen des gesetzlichen Auftrags mit fast vier Millionen Euro pro Jahr. „Finanzielle Investitionen im sozialen Bereich sind bestens angelegt“, betonte Bittner. Eine aktuelle Fallstudie des Bezirks zeige an einem Beispiel aus München, dass jeder hier investierte Euro innerhalb eines Jahres mit einem Wert von 1,11 Euro an die öffentliche Hand wieder zurückgeflossen sei. „Elf Prozent Rendite – wo bekommt man das heute noch?“
Den Beitrag des EHW zum Kälteschutz-Projekt lobte Rudolf Stummvoll, Leiter des Münchner Amtes für Wohnen und Migration: „Das Hilfswerk hat sich sehr flexibel drauf eingestellt, als es darum ging, von null auf sehr schnell für einige Hundert Menschen Plätze zu schaffen.“ 
Etwa 3.800 Menschen sind laut Stummvoll derzeit in München wohnungslos, 500 bis 600 leben auf der Straße. „Die Zahl war in den letzten Jahren noch nie so hoch“. Derzeit gebe es eine Armutswanderung in solchen Umfang, „dass wir als Stadt da dringend Antworten geben müssen.“
Eine „leuchtende Stadt“ nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa sei München mit seinem Engagement für Menschen, die auf der Straße leben, sagte Günther Bauer, Vorstand der Inneren Mission. Gleichzeitig mahnte er Inklusion an: Was beim EHW geschehe, gehöre zu den ältesten Aufgaben der Christen. „Speise, Trank, Kleidung, Obdach und Gemeinschaft für alle – das sind die christlichen Basics.“ Die diesjährigen Jubiläen – 70 Jahre Weiße Rose und 80 Jahre Reichstagsbrand – zeigten, „wie mörderisch Exklusion sein kann – mitten im christlichen Abendland“. 
Das Wachstum des Evangelischen Hilfswerks stellte Geschäftsführer Gordon Bürk in Zahlen vor. So ist die Zahl der hauptamtlichen Mitarbeitenden in den letzten zehn Jahren von 118 auf 210 gestiegen, der wirtschaftliche Umsatz von etwa sechs auf derzeit 10,5 Millionen Euro. Dabei schlage sich der Zuwachs nicht nur in vielen neuen Projekten nieder. „Die Angebote, die wir haben, müssen wir so gestalten, dass sie zu den Menschen passen. Sonst erreichen wir sie nicht“, betonte Bürk. „Ausdifferenzierung ist hier ein wichtiges Schlagwort.“ Man müsse nicht unbedingt neue Angebote schaffen, sondern bei bestehenden Angeboten prüfen, wo man etwas zum Besseren ändern könnte. 

Isabel Hartmann
 
BU: Freuen sich über das zehnjährige Bestehen des Evangelischen Hilfswerks (v.l.n.r.): EHW-Geschäftsführer Gordon Bürk, Münchens Zweite Bürgermeisterin Christine Strobl, die Stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Ursula Bittner und IM-Vorstand Günther Bauer.
 
Foto: Erol Gurian

Evangelisches Hilfswerk München feiert zehnjähriges Bestehen.


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