18.03.2015 - Die guten Werke des Märchenkönigs

Blumengestecke zieren das herrschaftliche Mausoleum auf dem Münchner Ostfriedhof. Ein Grablicht steht neben einem großen Kranz mit weißen Lilien. Die pompöse Grabstätte des Modehändlers Rudolph Moshammer ist frisch geschmückt. Am 14. Januar jährte sich Moshammers Todestag zum zehnten Mal; der von ihm gegründete Verein „Licht für Obdachlose“ hatte zum Gedenken eingeladen.

Gekommen sind an diesem windig-kalten Januartag nur etwa 50 Personen. Noch dazu „keine Promis“, wie ein Fotograf betrübt feststellt. Bei Moshammers Beerdigung war das noch anders: Damals gaben ihm 15.000 Menschen das letzte Geleit zum „Mosileum“ am Ostfriedhof, wo schon seine Mutter Else begraben liegt.
 
Mit pechschwarzer Perücke, seiner Hündin Daisy auf dem Arm, stets lächelnd und ein bisschen Märchenkönig: So inszenierte der Modezar sein Leben, so kannten ihn die Menschen, so liebten ihn die Fans.
 
Zwischen königshaften Auftritten auf dem Roten Teppich vergaß Moshammer jedoch nie seine Herkunft. Jenseits des Rummels kümmerte er sich rührend um Obdachlose, an Weihnachten besuchte er sie unter den Isar-Brücken und brachte Geschenke in die Teestube „komm“. Auch in seinem Vermächtnis bedachte er Organisationen, die sich um Arme und Wohnungslose kümmern. Sein Vater war obdachlos gestorben.
 
Zehn Jahre nach Moshammers Tod bleibt der schillernde Modezar unvergessen. Indem sein Verein „Licht für Obdachlose“ Einrichtungen des Evangelischen Hilfswerks und andere soziale Organisationen unterstützt, wirkt sein Werk weiter. Der Vereinsvorsitzende und Anwalt Florian Besold ist unermüdlich tätig, um die Rechte für die Marke Moshammer aufrecht zu halten – um sie zugunsten obdachloser Menschen zu nutzen, etwa über Modeartikel wie Krawatten.
 
„Rudolph Moshammer hat bis zu seinem Tod durch erstaunlichen persönlichen Einsatz für Obdachlosenorganisationen wichtigste und nachhaltigste Hilfebeiträge geleistet, die bis zum heutigen Tag bei vielen Obdachlosen und den Verantwortlichen von Obdachloseneinrichtungen unvergessen sind“, sagte Besold bei dem Gedenkgottesdient in St. Bonifaz. 
 
Der Geschäftsführer des Hilfswerks, Gordon Bürk, betonte: „Auch nach zehn Jahren ist sein Tun für Obdachlose unvergessen; wir vermissen seine große Menschlichkeit.“ Allein die Teestube „komm“ hat Moshammer seit 2001 – und nach seinem Tod dessen Verein – mit mehreren Zehntausend Euro unterstützt. Angeschafft wurden von diesen Spendengeldern unter anderem mehrere Küchenzeilen in den betreuten Wohngemeinschaften der Teestube sowie ein Transporter, mit dem die Streetwork-Teams zu ihren Klienten unterwegs sind und sie bei Bedarf zu Ärzten, in Kliniken oder auch zu anderen Hilfeeinrichtungen bringen. Das erste große Geschenk von Rudolph Moshammer an die Teestube war eine leistungsfähige, vollautomatische Kaffeemaschine. „Das Personal soll Zeit für die Obdachlosen haben und nicht Zeit für Filterwechsel und Pulverauffüllen verplempern müssen“, sagte er damals. Mittlerweile versorgt das – vom Verein gespendete – Nachfolgemodell die Besucher mit warmen Getränken. In der Teestube ist „Mosi“ aber immer noch präsent: Über dem Tresen hängt ein Bild von ihm und Hündchen Daisy.
 
Sabine Dobel / ho
Mit freundlicher Genehmigung der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH, Hamburg

 

Modezar und Helfer der Obdachlosen - vor zehn Jahren starb Rudolph Moshammer.


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