18.03.2013 - Schulden: Schmierstoff für die Wirtschaft

Eine personelle Aufstockung der Schuldnerberatungsstellen gefordert hat der Geschäftsführer des Evangelischen Fachverbandes Wohnungslosen- und Straffälligenhilfe, Michael Frank. Lediglich 12 bis 15 Prozent der überschuldeten Personen bekämen eine entsprechende Beratung, sagte Frank bei einem Fachtag über Armut und Überschuldung anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Evangelischen Hilfswerks München.

Nach Franks Auskunft sind rund zehn Prozent der volljährigen Bundesbürger derzeit überschuldet. Zugenommen habe vor allem die Verschuldung der Zwanzig- bis Vierzigjährigen sowie von Personen über 70 Jahren. Bei den Jüngeren seien vor allem prekäre Arbeitsverhältnisse und unbezahlte Praktikumsstellen die Ursache für diese Entwicklung.
Frank wies gleichzeitig darauf hin, dass Schuldenmachen gesellschaftlich gewollt sei. So würden Waren im Wert von rund 230 Milliarden Euro in der Bundesrepublik pro Jahr über Konsumentenkredite finanziert. Michael Frank wörtlich: „Schulden sind der Schmierstoff, damit die Wirtschaft floriert floriert.“
Männer seien zudem häufiger überschuldet als Frauen. Sie seien „in der Geldanlage generell risikobereiter und neigen eher zu Selbstüberschätzung“. Frauen „leiden unter Schuldenstress und bewerten die eigene ökonomische Lage kritischer“. Da die Verlockungen der Kreditwirtschaft enorm seien, forderte Frank auch eine Aufnahme des Themas „Haushaltsplanung“ in die bayerischen Lehrpläne.
Ministerialrätin Heike Jung vom Bayerischen Sozialministerium wies darauf hin, dass Bayern im Bundesvergleich die niedrigste Armutsgefährdungsquote habe. Differenziert sei die Situation von älteren Menschen zu sehen. „Auch wenn es älteren Menschen derzeit relativ gut gehe, wird die Armutsgefährdung der älteren Generation in Zukunft zunehmen, wenn der Staat nicht gegensteuert. Das Sozialministerium habe deshalb auch ein entsprechendes Rentenkonzept entwickelt. Dass in Bayern die Armutsgefährdungsquote von Senioren bundesweit am höchsten ist, liege daran, dass früher in einer stark landwirtschaftlich geprägten Gesellschaft viele Familienangehörige unentgeltlich mitgearbeitet hätten. Dies führe im Alter nun zu gravierenden Problemen. 

Der Geschäftsführer des Evangelischen Hilfswerks München, Gordon Bürk, kritisierte bei dem Fachtag, dass aufgrund einer ungerechten Mittelverteilung in Deutschland „die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer“ würden.

Klaus Honigschnabel

Zehn Jahre Evangelisches Hilfswerk: Gut besuchter Fachtag zum Thema Schulden und Armut.


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