16.07.2009 - Wieder selbstbewusst in die Zukunft blicken

Die Teestube „komm“ – Streetwork des Evangelischen Hilfswerks betreut nicht nur akut wohnungslose Personen, sondern ist auch Anlaufstelle für Menschen, die bei Freunden und Bekannten untergekommen sind: Zwar haben diese für den Moment ein Dach über dem Kopf, stehen aber trotzdem mit einem Bein auf der Straße. 
So auch Janez P., der in dieser Situation im Tagesaufenthalt der Teestube um Hilfe bittet: Eine befreundete Familie hatte ihn schon einige Zeit beherbergt. Aufgrund der räumlichen Beengtheit sollte er nun in absehbarer Zeit ausziehen. 
Ein Leben auf der Straße hätte bei Janez P., einem trockenen Alkoholiker, der noch dazu durch Kehlkopfkrebs gesundheitlich geschädigt ist, höchstwahrscheinlich eine Abwärtsspirale mit schlimmen Folgen in Gang gesetzt. 
Der Hilfeprozess, den Markus Blaszczyk, Mitarbeiter der Teestube „komm“, dann startete, schloss die vielfältigen Problemlagen von Janez P. mit ein: Gemeinsam mit dem Streetworker beantragte er ergänzende Grundsicherung und ließ seine Schwerbehinderung feststellen. Anschließend stellte er einen Antrag beim Wohnungsamt und ließ sich für eine Sozialwohnung vormerken. 
Das Wohnungsamt stellte ihm zudem einen so genannten Kautions- und Provisionsschein aus: 
Dieser garantiert, dass die ARGE die Kaution und Provision übernimmt, falls der Wohnungssuchende über einen Makler eine neue, bezahlbare Wohnung findet. 
Eine weitere Möglichkeit für Janez P. wäre gewesen, ins Städtische Unterkunftsheim in der Pilgersheimer Straße zu ziehen. Dort hätte er wegen seiner gesundheitlichen Probleme ein Krankenzimmer benötigt. Doch als die Zusage für das Zimmer kam, hatte er bereits über Zeitungsannoncen selbst eine Wohnung gefunden. 
Dort betreut ihn sein Streetworker weiterhin im Rahmen des Unterstützten Wohnens. In vielen Gesprächen motivierte und bestärkte er Janez P., so dass er nach und nach selbst wieder an eine Verbesserung seiner Situation glaubte. 
Der Vorteil an diesem Konzept: Die Streetworker und Streetworkerinnen können die Beziehung zum Klienten, die sie mit großen Anstrengungen aufgebaut haben, nutzen. Mit der Nachbetreuung stellen sie sicher, dass die Klienten ihre Wohnung auch behalten. So leisten sie nachhaltig Hilfe zur Selbsthilfe. 
Janez P. hat sich inzwischen in seiner Wohnung, in der er zusammen mit seinem Hund Lukas wohnt, gut eingelebt und hält sich kaum noch an öffentlichen Plätzen auf. Lukas hat er aus dem Tierheim geholt, gegen das Alleinsein und um Verantwortung zu übernehmen. Die Abwärtsspirale mit ungewissem Ausgang hat er mit Hilfe von außen gestoppt und kann nun wieder selbstbewusst in die Zukunft blicken.

Thomas Korda

 

Teestube "komm"-Streetwork betreut Klienten auch in der eigenen Wohnung nach.


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