16.07.2009 - Sich selbst helfen und helfen lassen

Helga Pieper hat ihr Leben lang gearbeitet. Bis es nicht mehr ging. Gesundheitliche Schwierigkeiten machten der damals 43-Jährigen immer stärker zu schaffen, so dass sie ihre Stelle als Krankenschwester kündigte. 
„Ich dachte mir: ‚Als Krankenschwester findest Du immer etwas.’“ Doch wegen ihrer körperlichen Beschwerden konnte sie ihren erlernten Beruf bald gar nicht mehr ausüben und blieb arbeitslos. Die Folgen: Sie konnte die Miete nicht mehr zahlen, der Druck wurde immer größer. 
Neben den gesundheitlichen Problemen hat sich Helga Pieper in dieser Zeit auch psychisch verändert: „Ich hatte gar keine Lebensfreude mehr, war phlegmatisch, das kannte ich von mir gar nicht.“ 
Das war vor etwa zwölf Jahren. „Ich habe mich zu spät nach Hilfe umgesehen“, sagt sie heute. Ein Grund war, dass sie gar nicht wusste, welche Angebote es in München überhaupt gibt. Ein anderer war ihre Scham: „Ich hatte das Gefühl, ich habe meine Situation selbst verschuldet.“ 
Schließlich wandte sie sich an die Bahnhofsmission. Als sie dort ihre Geschichte erzählte, vermittelten die Mitarbeitenden sie an die Kolleginnen im Frauenobdach Karla 51. Innerhalb von zwei Stunden bekam Helga Pieper dort ein Zimmer, in dem sie vier Wochen lang wohnte: „Da kam ich zur Ruhe und konnte wieder Hoffnung schöpfen.“ 
Bernadette Schmid war in dieser Zeit ihre Ansprechpartnerin. Alles abgenommen hat sie ihr allerdings nicht: „Es gab Vorschläge, keine Bevormundung“, erinnert sich Helga Pieper. 
Egal, ob ihr eine Mitarbeiterin einen Tipp gibt, wo es eine günstige Wohnung gibt, ihr einen Kontakt zur Schuldnerberatung vermittelt oder sie nach ihrem Magendurchbruch im Krankenhaus besucht: „Hier habe ich immer die Sicherheit, dass mir jemand hilft.“ 
Nach einer Zwischenstation im betreuten Wohnen in Bogenhausen lebt sie nun seit fast zehn Jahren in einer öffentlich geförderten Wohnung in München-Riem. Die Wohnung hat ihr die Innere Mission vermittelt, und die Kaution hat das Sozialamt gezahlt. Außerdem bekam sie Unterstützung dabei, Lampen an die Decke zu schrauben und den Herd anzuschließen. 
Auch wenn sie aufgrund ihrer gesundheitlichen Beschwerden nicht berufstätig ist, hat die gebürtige Westfälin einen geregelten Tagesablauf: „Ich habe mich nie gehen lassen.“ Auf Trab halten sie auch ihre „Patenhunde“. Viele Nachbarn sind dankbar, wenn die 55-Jährige ihre Vierbeiner auf dem Bugagelände spazieren führt. 
Auch ins Frauenobdach Karla 51 kommt sie heute noch gelegentlich, etwa, um im Café ihren Geburtstag zu feiern. Der Erfahrungsaustausch mit anderen Frauen ist ihr wichtig, denn so erlebt sie, „dass es den anderen auch so geht wie mir.“ 
Helga Pieper hat sich „gut arrangiert“ und „wieder Spaß am Leben“. Und dank der Hilfe von Karla 51 und anderen die Gewissheit: „Ich bin auf dem richtigen Weg.“

Diana Riske

 

Dank Karla 51 ist Helga Pieper auf dem richtigen Weg.


zurück