16.07.2009 - Kreativität gegen soziale Ausgrenzung

Klappernde Gepäckwagen, Duftschwaden vom asiatischen Wokgrill, Reisende, die verdutzt stehen bleiben – die Schalterhalle im Münchner Hauptbahnhof ist in der Tat ein ungewöhnlicher Ort, um einen ökumenischen Gottesdienst zu feiern. 
Anlass für den Gottesdienst an ungewohnter Stelle, den die Blinden Musiker München mit gestalteten, war die Präsentation eines neuen Kunstprojektes: „Jetzt sind wir am Zug“ lautet der Titel der Aktion, die in insgesamt sechs Bahnhofsmissionen in Bayern stattfindet und sich mit „Kunst und Kreativität gegen soziale Ausgrenzung“ einsetzt. 
Schirmherr ist der einstige bayerische Landtagspräsident Alois Glück (CSU), der sich „tief beeindruckt vom Umfang und der Qualität der Arbeit“ zeigte, die die Bahnhofsmissionen leisten. Er hoffe, dass die haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter ihren Dienst trotz mancher Grenzsituation immer auch als „menschliche Bereicherung“ erlebten. Er habe sofort zugesagt, die Schirmherrschaft zu übernehmen, da das Projekt „mit Kreativität und Phantasie Impulse nach innen und außen gibt“. 
Nach außen und für die Klienten selbst wollten die Bahnhofsmissionen „sichtbar machen, was in den Menschen steckt“, sagte Jörg Kruttschnitt, 2. Vorsitzender des Vorstandes des Diakonischen Werkes Bayern. 
Werner Zwick, Ministerialdirigent im Bayerischen Sozialministerium, lobte das Projekt, das „die Gäste der Bahnhofsmissionen zu neuen Erfahrungen führt und ihr Selbstwertgefühl stärkt“. Er verwies auf den Sozialpreis der Landesstiftungen, den die Bahnhofsmissionen im vergangenen November für ihre Arbeit erhalten haben. 
Seine erste Begegnung mit der Bahnhofsmission hatte Sozialreferent Friedrich Graffe als Vierjähriger in Münster, als er zur Kindererholung fuhr. Auch die Zusammenarbeit zwischen der Münchner Bahnhofsmission und dem Sozialreferat funktioniere seit langem gut. Mit ihren mehr als 110 Jahren sei die Bahnhofsmission eine der „ältesten sozialen Einrichtungen in der Landeshauptstadt“. Das niedrigschwellige Angebot werde „stark genutzt“, die Mitarbeitenden „verstehen ihre Arbeit, wecken Vertrauen und weisen den Weg“. Die Bilder und Präsentationen der Kunstaktion stellten dar, „was die Bahnhofsmission leistet“. 
Heiko Hamann, Leiter des Bahnhofsmanagement München, bezeichnete die Bahnhofsmission als einen „wichtigen Kooperationspartner der Deutschen Bahn rund ums Reisen“ und erinnerte daran, dass die Bahnhofsmission in ihrer Geschichte „immer wieder kreative Wege gegangen ist“. Hochbetrieb am Bahnhof und in der Bahnhofsmission erwartet er im kommenden Jahr, wenn in München der 2. Ökumenische Kirchentag stattfindet. Auch dort sollen Ergebnisse des Kunstprojektes „Jetzt sind wir am Zug“ zu sehen sein.

Diana Riske

BU: Im Hauptbahnhof präsentieren (von links) Landescaritasdirektor Karl-Heinz Zerrle, Günther Bauer, Jörg Kruttschnitt vom DW Bayern, Heiko Hamann und Alois Glück die Kunstaktion "Jetzt sind wir am Zug"

Bahnhofsmission präsentiert Kunstprojekt "Jetzt sind wir am Zug".


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