14.01.2010 - Abwechslung für Mütter und Kinder

Ein kleines Zimmer, Bad und Küche für 10 Familien, Nachbarn, die sich ständig streiten. Das gehört zum Alltag in der Pension für wohnungslose Familien und Alleinerziehende in der Englmannstraße und zum Leben von Sarah. Seit einem Jahr wohnt die 32-Jährige mit ihrem zweijährigen Sohn Daniel hier. „Das ist keine Umgebung für ein kleines Kind“, findet die Übersetzerin. Deshalb versucht sie, „so oft wie möglich rauszugehen“.
Beim Ausflug der Mutter-Kind-Gruppe aus der Englmannstraße in den Tierpark Hellabrunn war sie sofort dabei: Acht Erwachsene und 13 Kinder – ehemalige und derzeitige Bewohnerinnen des Wohnheims und des Frauenobdachs Karla 51 – besuchten die Seelöwen, bewunderten die Giraffen und bestaunten die Elefanten. Den Zoo-Besuch hat eine Spende der Stadtsparkasse München möglich gemacht: Sie stellte 1.025 Freikarten für Kinder und Erwachsene im Gesamtwert von rund 5.500 Euro zur Verfügung; knapp 30 Einrichtungen der Inneren Mission und ihrer Tochterunternehmen haben sich dafür interessiert.
„Viele der Frauen sind alleinerziehend, einige haben drei oder vier Kinder“, erzählt Gabriela Czako, Betreuerin der Mutter-Kind-Gruppe. „Da können sie sich einen Zoobesuch einfach nicht leisten.“ Dem Alltag entfliehen, andere Leute treffen, Spaß haben – die Mutter-Kind-Gruppe und Ausflüge – von der Stadtrundfahrt bis zur Sommerfreizeit in Josefstal – sollen den rund 20 Kindern und ihren Familien das Leben in einer Unterkunft für obdachlose Menschen etwas erleichtern.
An drei Vormittagen in der Woche können die Mütter aus dem Haus ihre Kinder in die kindgerecht umgebaute Zwei-Zimmer-Wohnung bringen, am Nachmittag bietet die Stadt München dort eine Hausaufgabenbetreuung an. Das Projekt von Karla 51 steht immer wieder auf wackligen Beinen. Denn: Die Kosten für den Raum übernimmt zwar die Stadt München, alles andere – die Betreuung, die Einrichtung, die Spielsachen und die Ausflüge – muss aus Spenden finanziert werden.
„Ich freue mich immer, wenn ich sehe, dass sich nicht nur die Kinder, sondern auch die Mütter entspannen“, sagt Gabriela Czako. Denn das Leben im Obdachlosenheim bedeutet für die Familien immer höchste Anspannung. Die Mutter-Kind-Gruppe entlastet die Mütter nicht nur; hier bekommen sie auch praktische Hilfe: bei der Erziehung ihrer Kinder, bei Schwierigkeiten mit Ämtern, bei Anträgen – und natürlich bei der Suche nach einer eigenen Wohnung.
Eine eigene Wohnung ist auch der größte Wunsch von Sarah. „Ich möchte, dass Daniel endlich zum ersten Mal im Leben ein richtiges Zuhause hat“, wünscht sie sich.
Isabel Hartmann
 

Stadtsparkasse spendet Freikarten für den Zoo.


zurück