12.07.2012 - Umzug des Stadtteilbüros Neuperlach

Nach sechsmonatiger Umbauzeit ist das Stadtteilbüro Neuperlach am 7. Juli wieder feierlich eröffnet worden. Bei der Feier im Sudermannzentrum spendeten der evangelische Pfarrer Gerhard Rupprecht von der Laetarekirche und sein katholischer Kollege Johann Franz von der Pfarrei Christus Erlöser in ökumenischer Verbundenheit Gottes Segen für die zum Evangelischen Hilfswerk München (EHW) gehörende Einrichtung. 

Wer die alten Räume kannte, wird die neuen kaum wiedererkennen: Die Böden sind mit Linoleum in leuchtendem Orange ausgelegt, die Wände strahlen in frischem Hellgelb und der ehemals große, nur durch Schränke mehr schlecht als recht gegliederte Raum ist jetzt durch Wände in mehrere Bereiche aufgeteilt. Zudem sind die Toiletten vom Keller nach oben ins Erdgeschoss verlegt worden; der Eingang sowie ein WC sind endlich behindertengerecht. 

Dass diese Summe gut angelegt ist, waren sich bei der Wiedereröffnung des Stadtteilbüros alle einig. Pfarrer Rupprecht sagte, er sei regelrecht „bestürzt und beschämt“ gewesen, als er die früheren Räume zum ersten Mal gesehen habe. Er habe deshalb Hochachtung vor den Mitarbeitenden, die hier lange Zeit unter schwierigsten Bedingungen eine beeindruckende Arbeit geleistet hätten. Wer die schönen Räume jetzt betrete, habe „nicht mehr das Gefühl, in eine Lagerhalle oder einen Schuppen zu kommen“.

Zugleich lobte der Pfarrer die engagierte Arbeit, die stadtweit Signalcharakter habe: „Hier in Neuperlach leben viele Menschen am Rande der Not; und das Stadtteilbüro trägt dazu bei, dass sie nicht abkippen.“ Ebenso würdigte er den Einsatz der Ehrenamtlichen. Nächstenliebe dürfe man nicht nur den Profis überlassen: „Hier kann jeder helfen und sich engagieren.“ 

Für den Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach überbrachte dessen Vorsitzende Marina Achhammer Grüße. Ihr Gremium schätze die sozialen Einrichtungen, die das Zusammenleben im Stadtteil ermöglichen, „über alle Maßen“. „Sie geben Beistand in Not und Kummer, damit das Leben hier leichter verläuft.“ Christina Alt vom Stadtjugendamt, das Angebote der Begegnungs- und Nachbarschaftshilfe finanziert, lobte vor allem die vernetzte Arbeit vor Ort. Es sei beeindruckend, wie es dem Team gelungen sei, „mit den Menschen zu arbeiten und nicht nur für sie“. 

EHW-Geschäftsführer Gordon Bürk hielt eine Rückschau auf die bisherige Arbeit des Stadtteilbüros, das im kommenden Jahr vierzig Jahre alt wird. Habe der erste Sozialarbeiter lediglich ein Büro von knapp zehn Quadratmetern Größe gehabt, so sei das Platzangebot nach dem Umzug ins Sudermannzentrum Anfang 1986 deutlich besser geworden. Dennoch hätten die Räume „immer eine gewisse Enge ausgestrahlt“; die Suche nach etwas Größerem sei leider gescheitert. Die erfolgreiche Sanierung habe nun einen „Riesen-Fortschritt“ gebracht: „Die Odyssee hat ein gutes Ende gefunden.“ 

Gleichzeitig kritisierte Bürk, dass in Neuperlach nach wie vor eine hohe Dichte sozialer Probleme herrsche. Viele Haushalte litten unter Hartz IV oder Niedriglohn: „Niedriglohn führt zu Verarmung.“ In Deutschland werde das, was es an Einkommen zu verteilen gibt, nicht gerecht verteilt. Bürk wörtlich: „Die verantwortlichen Politiker haben ihre Hausaufgaben nicht gemacht.“ 

Damit sprach er vermutlich auch einem der prominentesten Besucher des Einweihungsfestes aus der Seele: Markus Rinderspacher, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, sagte, in der Politik werde zwar viel geredet; hier könne man aber sehen, „wie der Alltag erfolgreich funktioniert“. Er lobte die „Herzlichkeit, mit der hier vorbildliche Sozialarbeit“ geleistet werde. 

Der Landtagsabgeordnete weiß, wovon er spricht: Der Truderinger hat in der Vergangenheit ebenfalls ehrenamtlich mitgearbeitet. Bei einem Lesetag hat er mit Kindern geübt und ihnen etwas aus dem „Kleinen Wassermann“ von Otfried Preußler vorgetragen. 

Die langjährige Leiterin des Stadtteilbüros, Christine Maier, konnte dem sechsmonatigen Exil in einer Wohnung im siebten Stock auch etwas Gutes abgewinnen: „Wir hatten von der Dachterrasse einen wunderbaren Blick auf Neuperlach.“ Doch jetzt sei sie froh, wieder in ihren angestammten Räumen zu sein – auch wenn der Keller noch voller Umzugskartons sei. Maier dankte allen, die gepackt und mitgeschleppt oder die Mitarbeitenden mit Kuchen versorgt hatten. „Unsere Einrichtung ist für viele so etwas wie eine Familie geworden.“ 

Klaus Honigschnabel

Das Stadtteilbüro Neuperlach ist nach einer umfangreichen Sanierung wieder geöffnet.


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