11.07.2012 - Ein Kompass für ein neues Leben

Mitte Juni standen gleich zwei Einrichtungen des Evangelischen Hilfswerkes im Licht der Öffentlichkeit: Am 18. Juni feierte das Bodelschwingh-Haus seinen 50. Geburtstag, am 19. Juni wurden die „Lebensplätze für Frauen“ feierlich eingeweiht.

Und trotz des jeweils unterschiedlichen Anlasses gibt es eine innere Verbindung: Beide Einrichtungen wenden sich gezielt an Menschen, die eher am Rande der Gesellschaft stehen: Beim Bodelschwingh-Haus sind es haftentlassene Männer, bei den Lebensplätzen geht es um ehemals obdachlose Frauen.

Frauen, die als sogenannte „Wanderinnen im System“ bisher keine feste Bleibe finden konnten – oder wollten – sollen hier im Norden Münchens dauerhaft Wurzeln schlagen. Einrichtungsleiterin Verena Graf sagte bei der Feier, die meisten der 25 Bewohnerinnen hätten ihr Lebensziel aus den unterschiedlichsten Gründen nicht erreicht. Hier sei ein Ort, an dem sie ankommen könnten: „Mit vereinten Kräften werden wir daran arbeiten, dass das gelingt und dass sie auch hier bleiben.“

Graf dankte der Landeshauptstadt München und der städtischen Wohnungsbaugesellschaft GWG, die mit der Errichtung des Gebäudes „neue Wege abseits ausgetretener Pfade“ gewagt habe. Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) dankte dem Evangelischen Hilfswerk dafür, dass es mit dem Haus eine „bundesweit einzigartige Lebensform zum Leben erweckt“ habe. Wegweisend sei auch, dass die pflegerische Versorgung älter werdender Frauen von Anfang an im Blick sei.

Dietmar Bock, Geschäftsführer der GWG, sagte, die 4,3 Millionen Euro für den Neubau seien „gut investiertes Geld“. Zugleich verwies er auf andere Projekte, die speziell für benachteiligte Bevölkerungsschichten gedacht sind. „Wirtschaftlichkeit und soziales Engagement schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.“

Bei der Geburtstagsfeier des Bodelschwingh-Hauses wies Günther Bauer, Vorstand Innere Mission München, auf die Bedeutung von Strafvollzug und Haftentlassung als „ureigene Themen“ der Diakonie hin. „Jede Strafe endet einmal – und dann geht es um Wiedereingliederung oder wie man jetzt sagt, Inklusion“. Unabhängig von der Schwere der Tat, seien die Männer ihres Menschseins nicht verlustig gegangen.

Die Stellvertretende Bezirkstagspräsidentin Ursula Bittner (SPD) hob hervor, dass haftentlassene Männer oft vor einem „Trümmerhaufen“ stünden und Gefahr liefen, „schnell wieder auf den Weg bergab zurück in die Kriminalität oder hinein in die Obdachlosigkeit“ zu geraten.

Im Bodelschwingh-Haus bekämen sie „nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch einen Kompass für ein neues Leben“.

Klaus Honigschnabel

Evangelisches Hilfswerk feiert 50 Jahre Bodelschwingh-Haus und Einweihung der "Lebensplätze".


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