10.09.2014 - Gezielte Hilfe für obdachlose Familien

Gute Neuigkeiten für Familien in akuter Wohnungsnot: Mit dem heutigen Beschluss hat der Münchner Stadtrat den Weg freigemacht für eine neue Möglichkeit der Sofortunterbringung für wohnungslose Familien. Voraussichtlich ab Ende Oktober betreut das Evangelische Hilfswerk München (EHW), eine Tochtergesellschaft der Inneren Mission, in 95 möblierten Appartements in der Thalkirchner Straße wohnungslose Familien mit Kindern. Der Beschluss im Feriensenat erfolgte einstimmig.

 

Der Geschäftsführer des Evangelischen Hilfswerks, Gordon Bürk, zeigt sich zufrieden über den Beschluss: „Der Bedarf an Plätzen in der Sofortunterbringung für Haushalte mit Kindern ist in den vergangenen Monaten stark angestiegen.“ Immer häufiger komme es vor, dass Familien aufgrund von unvorhersehbaren Ereignissen wie Arbeitslosigkeit, Krankheit oder allgemeiner Überforderung ihren Wohnraum verlieren. Um diese Familien vor der Obdachlosigkeit zu bewahren, hatte sie die Stadt bislang unter anderem in Pensionen untergebracht. Dies ist neben den Folgen für die Betroffenen aber mit hohen Kosten verbunden.
 
Das sechsstöckige Gebäude in der Isarvorstadt wird nun diese Pensionsunterbringung teilweise ersetzen – und Eltern mit ihren Kindern eine vorübergehende Heimat bieten. Erstmals gibt es auch ein Betreuungskonzept, das die Familien wieder gezielt in ein eigenständiges Wohnen überleitet. Denn anders als in den Pensionen betreut künftig ein Fachteam des Evangelischen Hilfswerks die Familien vor Ort – und das nahezu rund um die Uhr. „Unser Ziel ist es, ihnen neben der Unterkunft auch weitere konkrete Hilfen anzubieten“, erläutert Bürk das Vorhaben. Es gehe zudem darum, die Ursachen der Wohnungslosigkeit zu klären und diese Probleme dann möglichst schnell abzubauen.
 
Für diese Arbeit hat der Stadtrat rund fünf sozialpädagogische Fachkräfte sowie dreieinhalb Stellen im erzieherischen Bereich genehmigt. Die Landeshauptstadt trägt zudem sämtliche Betriebs- und Betreuungskosten. Zuweisende Stelle ist das Amt für Wohnen und Migration. Der Jahresetat für das neue Projekt beträgt circa 2,6 Millionen Euro. Das Gebäude in der Thalkirchner Straße 9 wird vorerst für die Dauer von zehn Jahren angemietet. Eine dreiköpfige Familie beispielsweise bekommt ein Appartement mit rund 25 Quadratmetern Wohnfläche zugewiesen.
 
Sehr zufrieden ist der EHW-Geschäftsführer auch mit der zentralen Lage des Hauses: „Das unterstützt den Hilfeprozess ungemein.“ Bislang seien die Angebote der Wohnungslosenhilfe oft gezwungen, sich in der Peripherie anzusiedeln. „Viele wichtige Ämter und Behörden befinden sich aber nun einmal in der Stadtmitte; die können Familien jetzt leichter erreichen.“ Dem Evangelischen Hilfswerk München ist auch ein guter Kontakt zu den Nachbarn wichtig: Im Oktober wird es zusammen mit dem Sozialreferat, dem Bezirksausschuss und REGSAM die direkten Anwohner zu einem Runden Tisch einladen, um über die neue Einrichtung zu informieren. 
 
Das EHW ist schon seit vielen Jahren in der Betreuung obdachloser Menschen tätig und kann auf zahlreiche Referenzen in diesem Bereich verweisen. So gehören das Frauenobdach Karla 51, die „Lebensplätze“ im Münchner Norden sowie weitere Wohnangebote für ehemals obdachlose Männer und Frauen zum Aufgabenspektrum der kirchlichen Organisation.
 
Josephin Schmid

 

Münchner Stadtrat bewilligt neue Einrichtung im Stadtzentrum.


zurück