09.02.2014 - Schnelle Hilfe bei existenziellen Krisen

Der Evangelische Beratungsdienst für Frauen berät und unterstützt Frauen in vielfältigen sozialen Notlagen. Eine Gruppe, die nur wenig im Augenmerk der Öffentlichkeit ist, sind die Angehörigen von Inhaftierten. Im Laufe der Angehörigenberatung in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim hat sich gezeigt, „dass die Inhaftierung eines Familienmitglieds für die Familie gravierende Auswirkungen hat und sie oftmals in existenzielle Krisen stürzt“, wie die Leiterin des Beratungsdienstes, Nadja Dobesch, aus langjähriger Erfahrung weiß.

Frau und Kinder geraten schnell in finanzielle und psychosoziale Schwierigkeiten, wenn der Mann verhaftet wird: Die laufende Miete, Kosten für Strom und Lebensunterhalt, die vorher vom Einkommen des Partners (mit-)bestritten wurden, fallen ja weiterhin an. 

Online-Beraterin Birgit Zimmermann: „Viele Frauen müssen deshalb erstmals Sozialleistungen beantragen, was sie meist als beschämend und erniedrigend empfinden.“ Aber auch emotional ist diese Situation für viele Familien nur schwer zu verkraften und bedarf professioneller Unterstützung. Jährlich erreicht der Evangelische Beratungsdienst für Frauen mit diesem Angebot über den direkten Zugang in Stadelheim rund 550 Angehörige.

Bisher nicht erreicht werden konnten jedoch diejenigen Angehörigen, die aufgrund von Krankheit, Behinderung oder auch fehlender finanzieller Ressourcen nicht in der Lage sind, ihren Partner während der Haft zu besuchen. 

Diese Lücke schließt nun seit Mitte November das neue Angebot der Online-Beratung. Birgit Zimmermann ist sich sicher, dass der neue Dienst gut angenommen wird: „Gerade für jüngere Frauen ist mittlerweile die Informationsbeschaffung über das Medium Internet zur Selbstverständlichkeit geworden; auf demselben Weg können sie nun auch konkrete Unterstützung bekommen.“ Das Online-Beratungsangebot, das die Deutschen Fernsehlotterie für drei Jahre mit insgesamt rund 70.000 Euro fördert, erlaubt es künftig, schnell und individuell auf Fragen und psychosoziale Problemlagen einzugehen. 

Der Mail-Verkehr erfolgt per verschlüsselter E-Mail und anonym. Wie das konkret aussieht, weiß Birgit Zimmermann: „Es gibt sowohl allgemeine Informationen zum Strafvollzug als auch Beratung zu existenzsichernden Hilfen; darüber hinaus bieten die Beraterinnen an, Angehörige in dieser schwierigen Lebenssituation psychosozial zu begleiten.“

Betroffene Frauen haben somit die Wahlmöglichkeit, sich in einem persönlichen Gespräch beraten zu lassen (in den Räumen des Ambulanten Beratungsdienstes in der Schellingstraße 65) oder eben per E-Mail – unabhängig von Zeit und Raum. Auch ein Wechsel zwischen beiden Beratungsformen ist möglich.

Die Online-Beratung ist zu erreichen über die Homepage des Evangelischen Beratungsdienstes für Frauen: www.frauenberatungsdienst-muenchen.de.

Klaus Honigschnabel

 

Evangelischer Beratungsdienst für Frauen startet Online-Beratung für Angehörige von Inhaftierten.


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