07.12.2010 - Herzstück der Münchner Wohnungslosenhilfe

Den hohen Beitrag der Münchner Obdachloseneinrichtung Teestube „komm“ zum sozialen Frieden in der Landeshauptstadt hat Bürgermeisterin Christine Strobl hervorgehoben. „Die Teestube „komm“ – Streetwork ist längst zu einem zentralen und nicht mehr wegzudenkenden Partner der Stadt im Kampf gegen Obdachlosigkeit, Armut und soziale Ausgrenzung geworden“, sagte sie anlässlich des 30. Geburtstags der Einrichtung am 8. Oktober bei der Festveranstaltung im Alten Rathaus. Strobl bezeichnete die Arbeit der Einrichtung als „Erfolgsgeschichte“. Die Teestube sei inzwischen „als zentraler Aufenthalts- und Betreuungsort zu einem vielschichtigen Hilfesystem ausgebaut“ worden. 

Zwar sei München einer Umfrage zufolge „die lebenswerteste Stadt der Welt“, so Strobl, dennoch gebe es auch hier Armut. Lege man die EU-weite Armutsdefinition zugrunde, „so leben in München derzeit sogar 180.000 Personen in Armut“. Und wer sich an der Armutsgrenze befinde, „der lebt auch an der Grenze der Wohnungslosigkeit“. Seit nunmehr neun Jahren steuere die Landeshauptstadt dem Problem mit dem Kommunalen Wohnungsbauprogramm entgegen. Auch die Teestube „komm“ unterstützt der Stadtrat nach Kräften; 2010 erhielt die Einrichtung rund 670.000 Euro aus dem Sozialetat.

 

Von Anfang an sei die Teestube ein „Herzstück der Münchner Wohnungslosenhilfe“ gewesen, sagte Gordon Bürk, Geschäftsführer des Evangelischen Hilfswerkes. In den vergangenen 30 Jahren seien „Angebote entstanden, die so revolutionär sind, dass man sie im Rest der Republik noch gar nicht kennt“. Dazu zähle beispielsweise die Betreuung sogenannter Wohnungsflüchter: Menschen, die zwar eine Wohnung haben, sich aufgrund sozialer Schwierigkeiten aber auf der Straße aufhalten und dort zum „öffentlichen Ärgernis“ werden. Das neueste Angebot wendet sich an haftentlassene Männer, die Sozialpädagogen auf dem Weg in ein eigenständiges Leben begleiten.

 

Dass die Arbeit des Teestuben-Teams Früchte trägt, beweisen mehrere Studien: Beispielsweise schreibt der Sozialforscher Rolf Romaus in seiner vor drei Jahren vorgelegten Veröffentlichung „Obdachlose auf der Straße in München“, dass sich die Zahl der akut Wohnungslosen in München seit 1996 nahezu halbiert habe. „Die Arbeit der Teestube „komm“ zahlt sich also aus – menschlich und finanziell“, betonte Bürk. Um gute Arbeit zu gewährleisten, hat die Teestube ihre Angebote kontinuierlich ausgebaut und differenziert, denn die Gründe von Obdachlosigkeit haben sich geändert: Heute zählen zu dem betroffenen Personenkreis zunehmend Akademiker oder Selbstständige, die zuvor in geordneten Verhältnissen gelebt haben.

 

Seit 30 Jahren ist die Teestube „komm“ in der Zenettistraße 32 eine Anlaufstelle für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen. Die Klienten können sich dort im Tagesaufenthalt duschen, ihre Wäsche waschen, kochen und bei einem Tee ihre sozialen Kontakte pflegen. Darüber hinaus sind die sozialpädagogischen Fachkräfte der Einrichtung auch stadtweit als Streetworker unterwegs. In betreuten Wohngemeinschaften und in den sogenannten Integrationshilfen helfen Sozialpädagogen ehemaligen Obdachlosen und bereiten sie auf ein Leben in der eigenen Wohnung vor oder betreuen sie im eigenen Wohnraum.

 

Julia Kreissl

 

Foto: Erol Gurian

Teestube „komm“ feiert 30-jähriges Bestehen / Strobl: Armut auch im reichen München


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