06.10.2012 - Gemeinsam gegen den Schuldenberg

Das Konto ist ständig im Minus, der Berg unbeglichener Rechnungen wächst und die Situation scheint ausweglos – für viele ist der Gang zur Schuldnerberatung die letzte Hoffnung. Vielen hat die Einrichtung des Evangelischen Hilfswerks München bereits aus dieser Sackgasse geholfen. Dabei geht es nicht immer nur darum, die Bilanzen wieder geradezubiegen, sondern auch darum, den Menschen wieder eine Perspektive zu geben.

Als Anton Oberhuber* 2006 in die Schuldner- und Insolvenzberatung des Evangelischen Hilfswerks München, einer Tochter der Inneren Mission München, kam, war sein Leben etwas aus den Fugen geraten: Sechs Jahre zuvor hatte der Elektroniker seine Arbeit verloren. Im Lauf der Zeit häuften sich Mietschulden und unbezahlte Rechnungen. Schließlich musste er aus seiner Wohnung ausziehen, landete in einer Pension.
„Ich habe es schleifen lassen“, gibt der 50-jährige Münchner heute zu. Über das Arbeitsamt kam Oberhuber schließlich zur Schuldnerberatungsstelle. Und landete dort bei Annemarie Pfülb. „Ich hatte sofort einen guten Draht zu ihr, konnte gut mir ihr sprechen“, sagt Anton Oberhuber. Ausführlich schilderte er ihr seine Situation. „Sie hat mir dann erklärt, was ich zum Treffen alles mitbringen muss.“
Gemeinsam brachten sie wieder Struktur in seine Unterlagen – und in sein Leben. Der Münchner sah wieder Licht am Ende des Tunnels. „Vor allem die Drohung der Gläubiger mit der Kontenpfändung hat mich sehr bedrückt.“ Doch auch das konnte Annemarie Pfülb regeln. Die Beraterin nahm Kontakt zu den Gläubigern auf. Stattliche 20.000 Euro Schulden hatten sich im Lauf der Jahre angehäuft. Eine private Insolvenz schien zeitweise die einzige Lösung.
Doch dann verzichtete einer der Hauptgläubiger auf seiner Forderungen. Und für Anton Oberhuber entstanden neue Möglichkeiten, die Schulden langsam abzubezahlen. Der Münchner fand mit Hilfe des Sozialamts eine neue Wohnung. Und er fand eine neue Arbeit. Monatlich zahlte er nun einen vereinbarten Betrag auf ein Konto, davon wurden die Gläubiger bedient.
„Ohne die Hilfe von Frau Pfülb hätte ich das niemals geschafft“, ist sich Anton Oberhuber sicher. Regelmäßig telefonierte er mit seiner Beraterin, um auf Kurs zu bleiben. Mit Erfolg: Seit Mai dieses Jahres ist Anton Oberhuber schuldenfrei. „Ein tolles Gefühl“, sagt er. Obwohl er mittlerweile seinen Job aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, schaut er nun zuversichtlich in die Zukunft. „Mir geht es jetzt deutlich besser und ich kann die Arbeitssuche ganz entspannt angehen.“
Auch Annemarie Pfülb ist sehr zufrieden, wie alles gelaufen ist. Seit acht Jahren arbeitet sie in der Schuldnerberatungsstelle, hat vieles erlebt und gesehen. „Daher kann ich sagen, dass sich Herr Oberhuber wirklich vorbildlich verhalten hat“, sagt die Beraterin. Kein einziges Mal habe sie ihn daran erinnern müssen, die fällige Rate zu bezahlen. Konsequent habe er den Weg verfolgt, den sie gemeinsam beschrieben haben. Dabei sah es anfangs angesichts der Höhe der Schulden und der Lebenssituation von Anton Oberhuber alles andere als einfach aus.
„Zuallererst geht es bei der Beratung immer um die Existenzsicherung“, erklärt die Sozialpädagogin. Manchmal seien Klienten nicht mehr krankenversichert, zahlten keine Miete mehr, hätten nicht genug für den Lebensunterhalt. „Da hilft es auch oft, genau zu schauen, ob den Menschen vielleicht irgendwelche anderen Hilfen wie etwa ergänzendes Arbeitslosengeld II oder Wohngeld zustehen“, sagt sie.
Und: „Man muss verhindern, dass neue Schulden entstehen, bevor man das eigentliche Schuldenproblem angeht.“ Oft gehe es auch um rechtliche Beratung und Aufklärung. „Viele wissen gar nicht genau, was bei einer Kontenpfändung passiert und befürchten, ihnen bleibt gar nichts mehr.“ Den Leuten die Angst zu nehmen, ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen ebenso wie die Möglichkeit eines Neuanfangs, sei daher wichtiges Ziel der Beratungsarbeit. „Auf den Menschen, die zu uns kommen, lastet ein unheimlicher Druck“, sagt Pfülb.
Nicht immer funktioniert alles so gut wie bei Anton Oberhuber: „Viele Klienten brauchen mehrere Anläufe, andere schaffen es nie.“ Schicksalsschläge, Arbeitslosigkeit, Krankheiten oder Einkommenseinbußen – die Gründe, warum Menschen in die Schuldenfalle tappen, sind vielfältig. Und nicht immer sind es große Beträge. „Für jemanden, der von Hartz IV lebt, können 500 Euro Schulden schon zum Problem werden.“
Reicht bei manchen Klienten eine einmalige Beratung, brauchen andere über viele Jahre hinweg kontinuierliche Begleitung. Doch solange sie bereit sind zur Mitarbeit, bekommen sie auch die Hilfe der Schuldnerberater.

Doris Richter
* Name von der Redaktion geändert
Foto: Erol Gurian

Die Schuldner- und Insolvenzberatung des Evangelischen Hilfswerks knackt harte Nüsse.


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