03.12.2012 - Besser als alle Tabletten

Mehr als 50 Projekte aus allen Arbeitsbereichen sowie eine große Anzahl von Menschen jeden Alters, die etwas Besonderes erlebt haben: Das ist die „Mission Innovation“, die es nunmehr im dritten Jahr bei der Inneren Mission München gibt. Auch finanziell fördert der diakonische Träger quer durch alle Einrichtungen herausragende Aktionen, denen allen eins gemeinsam ist: Sie sollen soziale Arbeit mit Klienten über das Gewohnte hinaus ermöglichen.

Vorstand Günther Bauer, der die Idee zu dem Programm hatte, zieht denn nach zwei Jahren auch eine durchwegs erfolgreiche Bilanz: „Die Einrichtungen haben sich kreativ an neue und ungewohnte Ideen herangetraut – und wurden dafür außerplanmäßig finanziell gefördert.“ Die Eigenmittel, die über die Mission Innovation für die Projekte zu bekommen sind, gibt es für maximal drei Jahre. Auch für 2013 sind gut 200.000 Euro eingeplant. Zusätzlich müssen die Einrichtungen auch Spendenmittel für ihre Projekte einwerben.

Anlass, das Programm ins Leben zu rufen, war das Ergebnis der Umfrage von vor drei Jahren, wonach die Befragten die Innere Mission nur als einen „wenig innovativen Sozialverband“ beurteilten. Bauer: „Da haben wir gemerkt, dass wir offenbar an der öffentlichen Darstellung etwas tun müssen.“ Denn: „Offen für Neuerungen und innovativ waren unsere Einrichtungen eigentlich immer.“

Vieles, was mit dem Programm erst den nötigen Schwung bekommen hat, ist in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommen worden: das neue Begleitprogramm „Kids on Tour“ für Kinder und Jugendliche zwischen München und Berlin, die „Lebensräume“, die sich an Kinder psychisch kranker Eltern wenden, oder das „Brotmobil“.

Eines der größten Projekte ist das „KomPass-Jahr“, bei dem junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren erste Erfahrungen im Sozialen machen können. Für Andreas Herden, der das KomPass-Jahr konzeptionell entwickelt hat, ist es „ein zukunftsweisendes Projekt gruppenübergreifender Nachwuchsförderung“.

Bundesweit einmalig sind auch die „Lebensräume“, die Kinder psychisch kranker Eltern stärken und aus ihrer Isolation holen wollen. Für das Projekt verantwortlich sind Stephanie Kramer von den Sozialpsychiatrischen Diensten Neuhausen/Nymphenburg und Susanne Oberhauser-Knott vom Evangelischen Jugendhilfeverbund München. Beide sind nach dem ersten halben Jahr mit den Ergebnissen sehr zufrieden. „Kinder und Eltern sind froh, endlich einen Raum für Kontakte zu bekommen. Ganz ohne Hilfepläne, Maßnahmen und Zielvereinbarungen. Es gibt keinen Zeitdruck und niemand muss Angst haben, ein Angebot nicht bezahlen zu können.“ 

Bei den Besuchern der Kindertageseinrichtungen der Inneren Mission ging es vorwiegend um „tiergestützte Pädagogik“. Alle Einrichtungen besuchten Tierfarmen, Bauernhöfe oder Streichelzoos. Zwei Esel kamen in die Kita im Westend, 19 Kinder der Einrichtung auf der Schwanthalerhöhe besuchten den „Seiml-Hof“ in Obing, erledigten dort einfache Arbeiten im Stall und bekamen dann hautnah mit, wie aus Milch Käse wird. Einstimmiges Echo: Kinder, die ansonsten sehr aufgedreht und unruhig sind, verhielten sich im Umgang mit den Tieren ganz ruhig und ausgeglichen.

Ein weiteres Projekt, das durch mission innovation ermöglicht wurde, ist das Begleitprogramm „Kids on Tour“ für allein reisende Kinder und Jugendliche. In den ersten drei Monaten, seitdem die Münchner Bahnhofsmission daran beteiligt ist, haben nahezu 100 Kinder die Möglichkeit gehabt, Vater, Mutter oder andere Verwandte, die in einer anderen Stadt leben, zu besuchen. Projektkoordinatorin Kathrin Raab: „Ohne die finanzielle Unterstützung durch mission innovation wäre es nicht möglich gewesen, das Projekt so schnell und erfolgreich zu etablieren.“

Auch im Bereich der Sozialpsychiatrie haben viele Klienten von dem Förderprogramm profitiert: In Ebersberg wurden zehn Stunden der Gerontopsychiatrischen Koordinierungsstelle finanziert sowie die Ausbildung von Alltagsassistenten. Und Klara Hofer, Leiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes in Bogenhausen, erzählt immer noch ganz begeistert davon, was das Therapeutische Reiten bei den Besuchern ihrer Einrichtung ausgelöst hat: Mit dem Reiten habe man schwerst chronifizierte Klienten erreicht, die andere Angebote kaum angenommen hatten. „Bei denen hat der intensive Kontakt mit den Tieren besser gewirkt als alle Tabletten zuvor.“

Klaus Honigschnabel

Innovative Projekte in den Einrichtungen fördert die "mission innovation".


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