03.07.2012 - Verantwortung, Team, Lebenslust

Seit Herbst 2010 bietet die Innere Mission das KomPass-Jahr an, eine Form des Freiwilligen Sozialen Jahres. Es soll jungen Frauen und Männern zwischen 18 und 27 Jahren Orientierung bieten, im Leben und bei der Berufswahl. Christina Daut hat bisher neun Monate lang in der Bahnhofsmission gearbeitet. 

Noch ist es nicht zu Ende, ein paar Wochen meines KomPass-Jahres in München liegen noch vor mir.

Das Beste daran? Die WG, das Mitarbeiter-Team in der Bahnhofsmission und meine persönliche Entwicklung. 

Gut ein Jahr ist es her, da entschied ich mich, aus meinem schönen Dorf in Franken für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) nach München zu gehen. Das KomPass-Jahr der Inneren Mission München sprach mich an, denn nach dem Abitur hatte ich Lust auf Eigenständigkeit und brannte darauf, praktisch zu arbeiten. In eine Wohngemeinschaft einzuziehen, wie es im KomPass-Jahr für auswärtige Teilnehmer möglich ist, schien mir reizvoll. Ich wollte sicher sein, in der fremden Stadt nicht alleine zu leben.

 Was die Einsatzstellen betraf, gab es viele Möglichkeiten, zum Beispiel Jugendhilfe, Altenpflege oder Flüchtlingsarbeit. Schließlich legte ich mich fest auf den zentralen Arbeitsplatz: die Bahnhofsmission.

 Was ist das? Wen missioniert Ihr da? Das waren die Fragen, die ich mir selbst stellte und die mir dann auch von Freunden und Verwandten gestellt wurden. Um Missverständnisse zu vermeiden: Das Wort Mission steht in diesem Fall eher für eine Art inneren Antrieb.

 

Die Zielgruppe der Bahnhofsmission sind alle Menschen, die am Bahnhof Hilfe suchen. Etwa der ältere Herr, den wir mit dem Rollstuhl von einem Zug zum anderen begleiten. Oder Menschen verschiedenster Nationalitäten, die bei uns Brot, Tee und Beratung bekommen und Gesellschaft oder einen Platz zum Ausruhen vom Leben auf der Straße suchen.

 Meine Aufgabe war es am Anfang zu lernen: Wie viele Margarine-Brote schmiert man, damit genug Vorrat da ist? Wie verstehe ich Besucher, die kaum Deutsch sprechen? Wie heißt nochmal der Mitarbeiter, mit dem ich gerade im Dienst bin?  Neben Sozialpädagogen, FSJ-lern und Praktikanten arbeiten in der Bahnhofsmission München zahlreiche Ehrenamtliche – vom Studenten bis zur über 70-Jährigen. Und ich staunte sehr, wenn ich von meinen Kollegen erfuhr, dass sie von Beruf Lektorin an der Universität, Opernsänger oder ehemaliger Landwirt sind.

 Auch in den Beratungsgesprächen begegnete mir eine große Bandbreite von Persönlichkeiten und Anliegen: Ich konnte mitlachen, wenn mir ein Hilfesuchender fröhlich von dem tollen BMW seines gesetzlichen Betreuers erzählte. Und ich lernte mitfühlen und handeln, wenn eine Frau mir die Trennung von ihrem spielsüchtigen Partner schilderte.

 Während der drei Seminarwochen und bei monatlichen Bildungstagen tauschten wir KomPassanten uns über unser FSJ aus, besuchten die verschiedenen Einsatzstellen und besprachen die Hospitationen – eine weitere Besonderheit des KomPass-Jahres. Ich selbst nutzte die Gelegenheit, für jeweils zwei Tage den FSJ-lerinnen im Internationalen Jugendzentrum und im Sozialdienst für Flüchtlinge bei der Arbeit über die Schulter zu schauen.

 Wenn ich mein KomPass-Jahr in drei Worten beschreiben sollte, dann wären diese: Verantwortung, Team und Lebenslust. Verantwortung, meinen Teil zur Arbeit im Team beizutragen und Hilfesuchende geduldig und angemessen zu beraten. Das Team der Mitarbeiter in der Bahnhofsmission, das meiner WG und das der KomPassanten, die immer mehr zusammengewachsen sind. Und schließlich Lust am Leben, Ausprobieren und Lernen und Vorfreude darauf, was ich noch erleben werde, nach dem FSJ. Denn trotz konkreter Ideen: Festgelegt habe ich mich noch nicht auf ein Studium oder einen beruflichen Werdegang.

 Weitere Informationen über das  KomPass-Jahr gibt es bei Tobias Bjarsch unter der E-Mail tbjarsch@im-muenchen.de oder der Telefonnummer 089 / 20 35 13 55. Bewerbungen für das KomPass-Jahr mit Start im September 2012 sind jetzt möglich. 

Christina Daut

Christina Daut hat ein KomPass-Jahr in der Bahnhofsmission gemacht.


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